Wie Wetten dem Sport zu Gute kommen sollen


CDU und FDP schlagen vor, illegale – aber faktisch vorhandene – Glücksspielvarianten zu legalisieren, um sie kontrollieren zu können.

Der umstrittene Glücksspielstaatsvertrag gefährdet die Förderung des gemeinnützigen Sports. Seit Inkrafttreten Anfang 2008 sind wegen der starren Regulierung für Werbung und Internetspiel die Spieleinnahmen des Staates dramatisch eingebrochen, erklärte gestern FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki auf einer Tagung mit 300 Vertretern aus Sport, Politik und Wissenschaft in Kiel. „Trotzdem wurde das Ziel der Suchtprävention völlig verfehlt“, so der Liberale. Nach Ansicht seines CDU-Kollegen Christian von Boetticher versagt der Staatsvertrag bei der Kontrolle des Wettmarktes völlig: „In diesem Bereich entfallen jetzt 94 Prozent auf unregulierte Anbieter. 2009 sind nur 500 Millionen Euro über Oddset, Fußballtoto und Pferdewetten, umgesetzt worden.“ Dem standen über sieben Milliarden Euro im unregulierten Markt gegenüber (plus 30 Prozent jährlich). „Der unregulierte Markt leistet keinen Beitrag zur Förderung des gemeinnützigen Sports“, so der CDU-Fraktionschef.
boris becker

Unterstützt die Initiative
der CDU für einen neuen Glücksspielstaatsvertrag: Ex-Tennisprofi Boris Becker gestern in Kiel.
Foto: dpa

Das Werbeverbot führt nach Meinung von Rainer Calmund zur Benachteiligung deutscher Sportvereine: „In Deutschland werden Wettanbieter von den Trikots und den Banden in den Stadien verbannt. Das betrifft auch den Amateursport. Im Fernsehen sehen wir deren Logi und Internetadressen auf den Trikots und Banden der Champions-League-Gegner“, so der Sportmanager.

„Es muss beim Wetten wirklich um Sport gehen“

Wenig Verständnis für staatliche Regulierung zeigte auch Boris Becker, der seinen Zweitwohnsitz in London hat. „Pokern gehört dort einfach zum Lifestyle, auch wenn es ums Geld geht“, so der Tennisstar. In Deutschland ist Pokern um Geld außerhalb von Spielkasinos oder von diesen veranstalteten Turnieren verboten. Das gilt auch für das Internet.

Der Vorschlag von CDU und FDP sieht vor, illegale – aber faktisch vorhandene – Glücksspielvarianten zu legalisieren, um sie kontrollieren zu können. Geschätzte Mehreinnahmen im Norden: 50 bis 70 Millionen Euro, davon drei Millionen zusätzlich für die Sportförderung. Nach Ansicht von Professor Martin Nolte (Uni Kiel) muss jedoch bei einer kontrollierten Öffnung des Wettmarktes die Integrität des Sports gewährleistet werden. „Es muss beim Wetten wirklich um Sport gehen und nicht um die Frage, ob in der 75. Minute ein Spieler die Hose herunter lässt.“

Kiel will Sportwetten-Monopol von Oddset kippen

 

Kiel (dpa) – Die neue schwarz-gelbe Landesregierung in Schleswig-Holstein erwartet durch die geplante Kündigung des Glücksspielstaatsvertrags einen deutlich größeren finanziellen Gewinn für den Sport.

Das nördlichste Bundesland strebt eine Aufteilung des Sportwetten-Marktes zwischen dem bisherigen staatlichen Monopolisten Oddset und privaten Anbietern an. «Die Abschöpfung privater Anbieter wäre wesentlich höher, weil diese einen höheren Umsatz haben würden», sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jörn Arp der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kiel und bestätigte damit einen Bericht der «Sport Bild».

In Schleswig-Holstein belaufen sich laut Arp die garantierten Abgaben von Oddset an den Sport auf mindestens 6,8 Millionen Euro. Die Einnahmen des Monopolisten sinken allerdings seit Jahren. «Wenn wir den Lottomarkt liberalisieren und attraktiver gestalten und verstärkt das Internet für Wetten nutzen, können wir auf ein Vielfaches an Einnahmen kommen», sagte Arp.

Schleswig-Holstein will daher spätestens Anfang 2010 als erstes Bundesland den Glücksspielstaatsvertrag kündigen und hat schon Zusagen von anderen Bundesländern, die sich anschließen wollen. Damit soll eine bundeseinheitliche Änderung der Rechtslage erzwungen werden. «Wenn wir keine Unterstützung durch andere Länder erhalten, dann gehen wir eben einen eigenen Weg», sagte Arp.